Donnerstag, 4. November 2010

Künstler und Überlebenskünstler

Osnabrück. „5 Jahre Hartz IV“ – diese Zeitspanne wird nun künstlerisch im Gewerkschaftshaus am August-Bebel-Platz dokumentiert. Sieben Künstler haben mit Hartz-IV-Empfängern und Passanten in Workshops und öffentlichen Aktionen Werke erarbeitet, die in dem Haus bis zum 6. Dezember zu sehen sind.

„Endstation“ steht auf einer Rolle in der Säulen-Installation „Von der Rolle – auf der Rolle: Menschen im Hartz-IV-Dschungel“ von Reinhard Dasenbrock. Während der Kulturnacht am 28. August sollten Passanten ihre Gedanken zu dem Konzept aufschreiben, das vom ehemaligen VW-Manager Peter Hartz entwickelt wurde. Seit dem 1. Januar 2005 schreibt es die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe auf einem Niveau unterhalb der bisherigen Sozialhilfe vor. Ein Hingucker mit doppeldeutiger Aussage ist die „soziale Hängematte“ von Beate Lucas, die aus Plastiktüten von Discountern besteht. Die Idee sei entstanden, weil sie Jugendliche oft mit Einkaufstüten von Billig-Läden gesehen habe, sagte sie am Montagabend bei der Vernissage der Ausstellung im Gewerkschaftshaus. Die Künstlerin arbeitet mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Rheine. Bequem liegen kann übrigens niemand in der „sozialen Hängematte“. Dafür ist sie nicht tragfähig.
Neben Beate Lucas und Reinhard Dasenbrock sind die Künstler Jens Raddatz, Franz Greife, Jelena Reinert, Tina Schick und Angelika Klemme an dem Projekt beteiligt. Es wurde vom Bund Bildender Künstler (BBK), von der Arbeitslosenselbsthilfe (ASH) und dem Verdi-Erwerbslosenausschuss realisiert.
Am Anfang stand die Überlegung, mal etwas anderes zu machen, um auf die Hartz-IV-Misere aufmerksam zu machen, so Heinrich Funke von der ASH. „Viele Künstler sind auch Überlebenskünstler“, sagte er. „Daher sind uns die Gedankenwelten nicht fremd“, meinte Jens Raddatz. Es sei nur ein Glückszufall, dass die beteiligten Künstler nicht von Hartz IV leben müssten. Jelena Reinert merkte kritisch an, dass sich ganz wenige Osnabrücker für das Thema interessiert hätten, als sie ihre Vernetzungsaktion am 11. September auf dem Marktplatz durchgeführt habe. Sie und einige andere Künstler berichteten, dass sie sogar während der Kunst-Aktionen von Passanten angepöbelt wurden, als diese erkannt hätten, dass es um das Thema Hartz IV geht.
quelle http://www.noz.de/lokales/48866580/kuenstler-und-ueberlebenskuenstler

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